Früher war Unzufriedenheit mein größter Antreiber: Wenn ich irgendwo etwas entdeckt habe, das man besser machen konnte, dann musste es meiner Meinung nach auch verbessert werden. Ich wollte mich nicht mit „gut genug“ zufrieden geben. Und bei anderen sind mir die Verbesserungspotenziale natürlich noch viel häufiger aufgefallen als bei mir selbst.

Reflexion der alten Logik

Nach etwas Abstand und einigen Jahren Beschäftigung mit Selbstführung und dem Responsibility Process interpretiere ich mein damaliges Verhalten wir folgt:

  • Der Antreiber Unzufriedenheit hat mir Energie gegeben. Diese Energie hat mich angetrieben und ins Handeln gebracht. Dafür war sie nützlich.
  • Gleichzeitig war ich ständig unzufrieden und oft frustriert mit mir und anderen. Das hat Energie gekostet und war nicht so nützlich.
  • Ich war oft stolz auf meine Cleverness und die vielen „guten“ Ideen. Sie haben mir ein Gefühl von Überlegenheit gegeben, das ich damals brauchte, um mich OK und akzeptiert zu fühlen.

Die Mechanik meines Denkens folgte der Logik: Um in Bewegung zu kommen, muss man unzufrieden sein. Um akzeptiert zu werden, muss ich clever sein.

Erschwerend kam noch hinzu, dass ich zwar oft der Meinung war, genau zu wissen, wie „man“ es besser machen kann, aber gleichzeitig der Meinung war, dass ich leider nichts tun kann, um andere Personen oder die Umstände so zu ändern, wie es sein muss. Dann fühlte ich mich machtlos und als Opfer der Anderen oder der Umstände und war zusätzlich frustriert. Heute weiß ich, dass es sich dabei um die mentalen Zustände BESCHULDIGEN und RECHTFERTIGEN gehandelt hat.

Auswirkungen auf den Umgang mit anderen

Ob nun bewusst oder unbewusst: Oft habe ich meine Unzufriedenheit so verbreitet, dass es Personen im Umfeld schwer fiel, mit mir an Verbesserungen oder Veränderungen zu arbeiten. Denn für sie wirkte es mitunter so, als wäre ich der Meinung, sie hätten bisher alles falsch gemacht. Das trifft verständlicherweise auf emotionaler Ebene und produziert Widerstand. So habe ich Zusammenarbeit an Veränderungen nicht befördert.

Warum etwas ändern?

Ich war zwar nicht gänzlich unzufrieden mit mir selbst, aber habe doch gemerkt, dass mich meine bisherige Denk- und Vorgehensweise mehr Energie kostet als sie mir zurückgibt. Und ich bin oft wie oben beschrieben in Situationen geraten, in denen ich mich als Opfer und handlungsunfähig wahrgenommen habe. Das wollte ich ändern. Lange wusste ich nicht, wie das gehen kann. Dann habe ich den Responsibility Process kennengelernt und direkt geahnt, dass dort meine Chance liegt.

Ich habe heute eine Idee davon, dass ich sehr wohl in den allermeisten Situationen Optionen hatte, um etwas zu verbessern, mir aber die Bereitschaft oder Energie fehlte, um überall Veränderungen zu treiben. Ich fahre heute besser damit, wenn ich mir gezielt die Felder aussuche, die mir besonders wichtig sind, um dort Verbesserungen zu treiben, statt mich in Unwichtigem zu verzetteln.

Wie etwas ändern?

Das alte Verhaltensmuster produzierte bei Problemen häufig den mentalen Zustand BESCHULDIGEN oder RECHTFERTIGEN in mir. Das wurde mir durch die Beschäftigung mit dem Responsibility Process bewusst. Wenn ich also die Antworten meines Gehirns aus diesen Zuständen nicht mehr zulasse, so gelange ich in den nächsten mentalen Zustand, nämlich SCHÄMEN. Wenn also das Problem nicht an den anderen (BESCHULDIGEN) oder den Umständen (RECHTFERTIGEN) liegt, dann liegt es wohl an mir. Das fühlte sich zunächst nicht besser an. Ich dachte, irgendetwas sei mit mir verkehrt. Aber es gab immerhin den Hoffnungsschimmer, dass ich mich und meine Haltung ändern könnte, um wieder handlungsfähig zu werden.

Oft fiel mir dann nur eine alternativlose Option ein, was ich jetzt tun müsste, was mich immerhin in den mentalen Zustand VERPFLICHTUNG gebracht hat. In diesem sind wir zwar noch frustriert, dass wir etwas machen müssen, was wir nicht machen wollen, aber wir sind immerhin handlungsfähig. Vielleicht liegt es an meiner Freude am Optimieren, aber mir gelang es recht oft, die vermeintlich alternativlose Option als Herausforderung zu verstehen, für die ich nach weiteren Alternativen gesucht habe und schon war ich im mentalen Zustand VERANTWORTUNG und hatte eine echte Wahl, echte Optionen und die Freiheit zu tun, was ich tun will. Später habe ich dann noch besser verstanden, dass sich ein Blick auf meine ABSICHTEN lohnt, bevor ich irgendwelche Optionen generiere.

Die neue Gelassenheit

Heute kann ich mich und die Welt so akzeptieren, wie wir sind. Es gibt keine Notwendigkeit irgendetwas zu ändern. Es gibt aber auch keine Notwendigkeit, irgendetwas so zu lassen, wie es ist.

Mir bereitet das Optimieren Freude, ich denke gerne über Alternativen und Optionen zum bisherigen Vorgehen nach. Mein Antreiber ist aber nicht mehr die Unzufriedenheit, sondern das absichtsvolle Handeln.

Ich setze mir ABSICHTEN, meist in Form von Wünschen, die ich verfolge und bei deren Erreichen ich mich freue und den ERFOLG FEIERE.

Ein neues Zusammenspiel mit anderen

Mir gelingt auch die Zusammenarbeit mit anderen an Veränderungen besser, weil ich ihnen nichts vorhalte oder unterstelle und sie akzeptiere, wie sie sind, und anderen Perspektiven gegenüber aufgeschlossener bin. Dabei hilft es sehr, dass ich auch hier darauf achte, dass wir unsere gemeinsame ABSICHT klären. So wissen wir voneinander, in welche Richtung wir nach Verbesserungen streben und dass wir ein gemeinsames Ziel haben und lediglich unterschiedliche Vorstellungen, wie es erreicht werden kann.

Abschluss

Es freut mich, dass ich heute stets die Freiheit oder Wahl habe, ob ich etwas verändern möchte oder nicht. So kann ich aus einer Position der Stärke heraus handeln und mir aussuchen, worauf ich meine Energie verwenden möchte. Dieser Auswahlprozess stellt mich allerdings zuweilen durchaus noch vor Herausforderungen, weil ich eben nicht immer weiß, was ich will. Manchmal weiß ich eben nur, was ich nicht will. Doch dann weiß ich, dass ich herausfinden will, was ich stattdessen will, welche konstruktive Wendung ich mir wünsche. Das dauert manchmal eine Weile, und das darf es auch.

Empfehlung

Ich habe 2016 nach einer Keynote von Christopher Avery sein Buch zum Responsibility Process gelesen und wenig später auch einen Ganztagesworkshop bei Christopher besucht. Das war ein guter Start. Der richtige Boost kam mit meiner Teilnahme an Christophers Kurs Responsibility Immersion, den ich heute zusammen mit Nadine auf Deutsch als Intensivkurs Responsibility selbst gebe. Ich empfehle ihn dir wärmstens, wenn du deiner Unzufriedenheit nicht mehr so viel Raum geben willst. Ein etwas weniger intensiver Einstieg kann unser E-Learning »Selbstführung mit The Responsibility Process« sein.



Führe dich selbst zuerst!

Nadine und Henning Wolf, selbstführen W2 GmbH
Telefon: +49 4152 934 90 85, kontakt@selbstfuehren.de
www.selbstfuehren.de

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