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Selbstführung

  • Henning Wolf

Verantwortung übernehmen

Was bedeutet es eigentlich, wenn wir von „Verantwortung übernehmen” sprechen? Erledige ich dann einfach nur eine Aufgabe oder trage ich vor allem Schuld, wenn es schiefgeht? Verantwortung übernehmen oder bekommen? Muss ich die Aufgabe machen? Und wie passt das zu The Responsibility Process und dem mentalen Zustand VERANTWORTUNG, der Freiheit, Kraft und Optionen verspricht? Für was kann man Verantwortung übernehmen?

Was ist gemeint, wenn wir „Verantwortung übernehmen” sagen?

Im alltäglichen Sprachgebrauch meinen wir meistens, dass jemand für eine Aufgabe, einen Sachverhalt oder eine Situation insofern die Verantwortung übernimmt, dass er oder sie die Aufgabe erledigt, den Sachverhalt klärt oder die Situation entschärft. Warum sagen wir dann nicht einfach, dass jemand die Aufgabe übernimmt und reden stattdessen von Verantwortung? Das liegt wohl daran, dass wir erwarten, dass die Aufgabe trotz eventueller Widrigkeiten erledigt wird und die entsprechende Person sich dabei verantwortlich und führend vorne fühlt bis zur vollständigen Erledigung. Außerdem kann „Verantwortung übernehmen“ sogar bedeuten, dass wir die Aufgabe gar nicht selbst erledigen, sondern dafür sorgen, dass sie von anderen erledigt wird. Das könnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein, für die wir verantwortlich sind, aber auch Teammitglieder oder Dienstleister. Diese Entscheidung liegt in unserer Verantwortung, was auch heißt, dass wir bereit sind mit den Konsequenzen der Entscheidungen umzugehen.


Aufgabenerledigung oder Schuld?

In der Praxis ist die Tücke am „Verantwortung übernehmen“, dass nicht der Aspekt der Aufgabenerledigung im Vordergrund steht, sondern eher die Klärung der Schuldfrage: Es wird also vor allem im Nachhinein oder bei Problemen gefragt, wer denn Verantwortung übernommen hat für diese nicht erledigte oder nicht befriedigend erledigte Aufgabe, und damit erhält man dann die schuldige Person, die man zur Rechenschaft zieht. Die Verknüpfung von Verantwortung und Schuld ist so weit verbreitet im Sprachgebrauch und in der Kultur vieler Organisationen, dass das Übernehmen von Verantwortung nicht sehr beliebt ist. Es ist angstbehaftet, kommt mit Schwere und vermeintlich hohem persönlichen Risiko einher. Insbesondere aus solchen Organisationen höre ich immer wieder, dass es schwierig ist, Menschen zu finden, die Verantwortung übernehmen wollen. Das ist ja auch verständlich, wenn es im Kern um spätere Schuldzuweisungen zu gehen scheint und man nur verlieren kann. Denn gleichzeitig ist mit Wertschätzung im Erfolgsfall eher selten zu rechnen – ein anderes spannendes Thema, für das ich sicherlich an anderer Stelle Verantwortung übernehmen werde...


Verantwortung übernehmen oder bekommen?

Es klingt vielleicht spitzfindig, aber ich glaube, dass man Verantwortung sinnvoll nur von sich aus übernehmen und sie nicht übertragen bekommen kann (also im Pull-Verfahren wirkungsvoller als per Push von außen). Das liegt vor allem daran, dass sich ein Verantwortungsgefühl und ein Gefühl der Inbesitznahme einer Aufgabe leichter einstellt, wenn die Verantwortungsübernahme aus freien Stücken passiert. Wenn ich etwas will, bin ich eher bereit einen Preis dafür zu zahlen. Wenn ich das mache, weil meine Vorgesetzte oder meine Firma das will, geht mir persönlich möglicherweise ein Stück Sinnhaftigkeit verloren und somit auch mein eigener Antrieb, die Aufgabe erfolgreich zu bewerkstelligen oder ganz in Besitz zu nehmen.


Muss ich die Aufgabe erledigen, wenn ich Verantwortung übernommen habe?

Es kommt darauf an, wen du fragst: In einer „Verantwortung-gleich-Schuld“-Kultur scheinst du die Aufgabenerledigung zu „schulden“, man erwartet es also von dir. Da viele von uns den Anspruch an sich selbst haben, einen guten Job machen und Erwartungen erfüllen zu wollen, ist die Konsequenz vermutlich, dass ich zu meinem Wort stehe und meiner Verantwortung nachkomme. Das kann auch heißen, bewusst die Verantwortung wieder zurückzugeben oder an jemand anderen abgeben, um explizit mit wechselseitigen Erwartungen umzugehen. Mit unserem Responsibility-Process-Blick auf VERANTWORTUNG als einen mentalen Zustand gehen wir davon aus, dass wir nichts müssen, was wir nicht wollen. Ich übernehme dann allerdings auch Verantwortung für die Konsequenzen, die aus der Nicht-Erledigung hervorgehen.

Wie passt das zu The Responsibility Process und dem mentalen Zustand VERANTWORTUNG, der Freiheit, Kraft und Optionen verspricht?

Okay, bisher kommt Verantwortung nicht direkt als erstrebenswertes Konzept rüber, wenn dann vor allem Schuld dranhängt. Das verändert sich deutlich, wenn wir den mentalen Zustand VERANTWORTUNG aus The Responsibility Process betrachten, denn dieser mentale Zustand verspricht Freiheit, Kraft und Optionen (und wer hätte die nicht gerne!?). Die gute Botschaft: Der Responsibility Process ist angeboren, steckt also schon in dir, inklusive dem mentalen Zustand VERANTWORTUNG. Du kannst lernen, leichter in diesen Zustand zu geraten, wenn etwas schiefläuft. Wir verstehen also Verantwortung als die Fähigkeit, eine ANTWORT zu finden, wenn Probleme auftreten.

Auf unserer Startseite findest du mehr zu diesem Prozess-Modell.


Für was kann man denn Verantwortung übernehmen?

Du kannst für alles Verantwortung übernehmen, wirklich ALLES. Vermutlich macht es vom Aufwand und den Erfolgsaussichten einen Unterschied, ob du für einen Geburtstagskuchen für die Kollegin oder die Energiewende in Deutschland Verantwortung übernehmen willst. Doch das Übernehmen von Verantwortung ist ja nicht damit gleichzusetzen, dass du erfolgreich sein wirst, sondern vor allem erst einmal damit, dass du unter den gegeben Umständen dein Bestes gibst, um es zu erreichen, selbst dann, wenn unterwegs Dinge schiefgehen. Und es werden Dinge schiefgehen. Doch indem du die Sache wirklich zu deiner machst und Antworten finden willst, ist die wichtigste Voraussetzung erfüllt, dass du Antworten finden wirst.


Dies kann über Übung so selbstverständlich für dich werden, dass „Verantwortung übernehmen“ die Schwere und Belastung verliert, die es bisher vielleicht für dich hatte. Stattdessen wird das leicht, schnell und natürlich für dich. Dahinter steckt das Entwickeln und Verankern (d)einer Verantwortungs-Routine. Mehr Informationen dazu findest du auf der Seite unseres »Intensivkurs Responsibility«.


Ich wünsche dir viel Freude und Erfolg beim Übernehmen von Verantwortung – für alles, was du willst.


 

Führe dich selbst zuerst!


Nadine und Henning Wolf, selbstführen W2 GmbH

Telefon: +49 4152 934 90 85, kontakt@selbstfuehren.de

www.selbstfuehren.de

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