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Selbstführung

  • Nadine Wolf

Wer loslässt, hat die Hände frei.

Es kommt vor, dass ich ein Problem trotz vieler Gedanken, Gespräche und vielleicht sogar ausprobierten Lösungsansätzen nicht loswerde. Unser (und Christopher Averys) Mentor Bill McCarley sagt dann gern: „Stop figuring it out.“ Was er damit meint: Oft ist es für die Selbstreflexion und das persönliche Wachstum hilfreich festzustellen, warum ich die emotionale Reaktion habe, die ich habe. Doch manchmal liegt die Ursache so verbuddelt in uns, versteckt hinter schützenden Glaubenssätzen und der Gewohnheit jahrelangen Verdrängens, dass weiteres Bohren nach Gründen keine effektive Hilfe ist.

Also das Grübeln sein lassen. Doch was kann ich stattdessen tun?

„Let it go“, sagt Bill. Also: Lass das Gefühl los, das durch das Problem in dir entsteht!

Mein Beispiel: Bei mir stand ein Konferenzvortrag an, und ich bin in der Vorbereitung stecken geblieben. Der Termin rückte näher, aber ich bin nicht ins Tun gekommen, hatte schlechte Laune, keine Ideen; ich habe mich beim Prokrastinieren erwischt (mentaler Zustand AUFGEBEN), wofür ich mich dann selbst verurteilt habe (mentaler Zustand SCHÄMEN) – und so bin ich unglücklich unterhalb der Linie steckengeblieben, ohne eine Idee zu bekommen, wie ich den Schritt über die Linie zu Verantwortung hinbekommen kann. In einem Mastery-Call mit Bill haben wir ein paar limitierende Glaubenssätze ausgemacht, aber bei der Ursachenforschung sind wir nicht weitergekommen. Ich landete immer wieder an dem Punkt, dass ich das Gefühl hatte, mit mir ist etwas nicht in Ordnung. Irgendetwas hat mich an dem Gefühl von Selbstzweifel festhalten lassen. Und dieses Gefühl gilt es loszulassen. Aber wie?


Eine Technik, die Bill auch bei mir angewendet hat, ist die Sedona-Methode – entwickelt von Lester Levenson, aufgeschrieben von Hale Dwoskin. (Warum er die Methode nach seinem damaligen Wohnort »Sedona« genannt hat, konnte ich trotz Lektüre und Internetrecherche nicht herausfinden, und nun habe ich diese Frage losgelassen.)

Es ist eine sogenannte Releasing-Methode, mit der man sich von einschränkenden Emotionen befreien kann. Im Kern stellt man sich folgende Fragen, während man sich – so gut es geht – in das Gefühl begibt:

  1. Könnte ich dieses Gefühl willkommen heißen?

  2. Könnte ich es loslassen?

  3. Wäre ich bereit dazu?

  4. Wann?

Diese Abfolge wiederholt man bis man sich etwas (oder ganz) von der belastenden, hemmenden Emotion befreit fühlt. Man antwortet möglichst ohne viel Nachdenken, also ohne in eine Debatte mit sich selbst einzusteigen. Die Antwort kann jeweils Ja oder Nein lauten. Idealerweise lauten die Antworten wohl:

  1. Ja.

  2. Ja.

  3. Ja.

  4. Jetzt.

Aber selbst wenn sie

  1. Nein.

  2. Vielleicht.

  3. Nein.

  4. Irgendwann vielleicht.

lauten, setzt ein Loslassen ein. Ich vermute, das liegt daran, dass man sich mittels der Fragen dem Gefühl (oft zum ersten Mal) bewusst stellt. Die Antworten sind dadurch zweitrangig. Ich jedenfalls habe in der Session mit Bill zwar Ja gesagt, aber mit wenig Überzeugung. Nichtsdestotrotz scheint es irgendwas in mir bewegt zu haben, denn den Vortrag habe ich ohne allzu viel Widerstand schließlich fertig bekommen und abgeliefert.


Ich mag an der Methode, dass die Fragen im Konjunktiv gestellt sind. Das macht es mir leichter, sie als gedankliche Option zu sehen und es spielerisch zu nehmen. Und es ist eine schöne Möglichkeit, Grübeleien wenigstens zu unterbrechen und einen anderen Ansatz zu versuchen.


Außerdem hat mir die Lektüre des Buches erneut vor Augen geführt, dass es hilfreich ist, sich in seiner Gefühlswelt auszukennen (Anregung dazu im Blogpost »Wie fühle ich mich?«), Worte dafür zu kennen (das Buch enthält eine Liste mit etwa 250 Worten für Gefühle, die ich mir inzwischen als „Vokabel-Spickzettel“ an die Wand gehängt habe) und sich klar zu machen, dass wir uns bewusst entscheiden können, wie wir mit aufkommenden Emotionen umgehen. Dafür bietet die Sedona-Methode eine Möglichkeit zwischen »Emotionen unterdrücken« und »Emotionen ausleben«.


Mir helfen diese Perspektiven beim Verfolgen meiner Absicht, öfter und schneller im mentalen Zustand Verantwortung zu sein. Und an dieser Absicht möchte ich festhalten, weil sie mein Leben reicher, leichter und sinnvoller macht.


Was möchtest du loslassen (oder festhalten)?



Hale Dwoskin:

Die Sedona-Methode


VAK-Verlag

ISBN 978-3-935767-78-1

336 Seiten, Paperback








 

Führe dich selbst zuerst!


Nadine und Henning Wolf, selbstführen W2 GmbH

Telefon: +49 4152 934 90 85, kontakt@selbstfuehren.de

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