Glossar 
Selbstführung von A-Z

Hier findet man kurze Erläuterungen zu Begriffen rund um The Responsibility Process® und das Thema Selbstführung. Diese Seite wird laufend ergänzt. Wenn du dir bestimmte Begriffserläuterungen wünschst, gib uns gern Bescheid.

A – Aufgeben

Der mentale Zustand Aufgeben ist ein optionaler Zustand, d.h. wir durchlaufen ihn auf dem Weg zu Verantwortung nicht immer, sondern nur, wenn wir es emotional in den Zuständen Schämen oder Verpflichtung nicht aushalten. In Aufgeben parken wir für eine Weile unser Problem bzw. unseren Wunsch nach Lösung. Die begleitende innere Stimme  sagt etwas wie „Ich kann es wohl nicht haben“ oder „Ach, ist jetzt auch egal“. Das ist der Ort, an dem wir unsere Träume aufgeben, weil wir vor den Konsequenzen, die das Inbesitznehmen des Traums auslösen könnte, zuviel Angst haben. In der ersten deutschen Übersetzung des Prozess-Posters hieß dieser Zustand „innere Kündigung“, und bezogen auf die Jobsituation ist das passend: Wer war nicht schon mal unzufrieden mit dem Job, hat sich aber nirgendwo beworben, um etwas an der Situation zu ändern, weil das Selbstvertrauen eh schon angeknackst war und man keine Absage riskieren wollte. Also kapitulieren wir, sind nicht mehr wirklich präsent und committet auf den aktuellen Job und verharren in diesem Schwebezustand bis wir bereit sind, uns dem Schmerz zu stellen.
Ein anderes Beispiel könnte ein unliebsames monatliches Projekt-Meeting sein, das man für pure Zeitverschwendung hält und nur aus Verpflichtung mitmacht. Man ist nicht bereit, den Schritt über die Linie zu Verantwortung zu gehen, will aber auch nicht die Schwere der Verpflichtung spüren, also parkt man das Problem für einen Monat, wo es dann kurz vorm nächsten Meeting wieder in Verpflichtung ins Bewusstsein zurückkehrt.

 

B – Beschuldigen

Der mentale Zustand Beschuldigen ist der Einstieg in The Responsibility Process®. Er beschreibt unsere erste Reaktion, wenn wir ein Problem bemerken: Unser Gehirn macht bei der Suche nach der Ursache-Wirkungs-Beziehung zunächst mal eine Person aus, die uns das angetan hat. Wir sind das Opfer von jemanden oder vom Handeln einer anderen Person. Wie immer bei den mentalen Zuständen: zutiefst menschlich, nichts ist verkehrt daran, nichts ist kaputt in uns, wenn wir das tun. Es ist nur ein wenig nützlicher Zustand, um das Problem zu lösen. Denn in diesem Zustand hat die Problemlösung ja gar nichts mit uns zu tun: Der Beschuldigte muss sich ändern, damit das Problem verschwindet. Wie gut sind wir darin, das Verhalten anderer Menschen zu kontrollieren? Das ist oft eher mäßig erfolgreich. Mehr Einfluss können wir auf uns selbst nehmen, aber eben nicht, wenn wir in Beschuldigen stecken, da hier das Problem ja mit uns nichts zu tun hat. Diesen Zustand kann man auch in Gemeinschaft leicht einnehmen: Das Team beschuldigt den Chef, wenn es nicht läuft. Ein gemeinsamer »Feind« hat schließlich etwas verbindendes. Oft ist Menschen das Beschuldigen von jemandem irgendwann unangenehm, und wir stellen fest, dass es uns nicht weiterbringt. Dann beginnen wir, die »Schuld« im Unpersönlichen zu suchen, also in den Umständen – der Übergang zum mentalen Zustand Rechtfertigen.

 

E – Erfolg

Bei dem Begriff Erfolg denken wir oft als Erstes an Siege, Pokale oder den Nobelpreis. Im Kontext von The Responsibility Process® ist der Begriff anders definiert und orientiert sich am ersten Schlüssel zu VERANTWORTUNG:

Erfolg ist eine erfüllte oder entdeckte Absicht. 

Heißt: Ich wollte etwas tun, und habe es getan. Ich wollte, dass etwas nicht passiert, und es ist nicht passiert. Ich habe etwas entdeckt, das ich will. Mir ist etwas passiert, und ich will, dass mehr davon passiert.

Diese Definition führt dazu, dass man viel öfter Erfolge feiern kann. Wir neigen dazu, diese Erfolge als klein/groß zu kategorisieren. Das kann man sein lassen, da es in unserem Gehirn keinen Unterschied macht. Alles, was nur passiert ist, weil wir es wollten, ist ein Erfolg! »Ich habe mir heute morgen die Zähne geputzt.« Selbstverständlichkeit? Keine Leistung? Mag sein – ohne meine Absicht, wäre es aber nicht passiert! Das Erkennen von Erfolgen macht uns unsere Selbstwirksamkeit bewusster. Und das ist auf dem Weg zu mehr Wirkung äußerst nützlich.

F – Feiern

Das ganze Konzept heißt »Erfolge feiern«. Was Erfolge sind, ist oben erklärt. Aber wie und warum feiert man?

Wenn Menschen etwas bekommen, was sie wollen, feiern sie das im Sport z.B. mit einer Siegerfaust oder einem High Five. 

Unsere Alltagserfolge spielen wir allerdings meistens drastisch herunter, oft konzentrieren wir uns eher auf Niederlagen, Fehler, Verluste. Doch damit bleibt man unterhalb der Linie hängen, fühlt sich gefangen und ausgeliefert.

Deshalb lieber das Erfolgsradar einschalten, Erfolge entdecken und dann feiern. So oft es geht! Für sich oder am besten gemeinsam mit anderen. Am Anfang mag das wie Angeberei wirken, oder wir kommen uns lächerlich vor, sodass wir unsere Erfolge zensieren. Doch es geht darum, unsere entdeckten und erfüllten Absichten zu würdigen; und das ist der Einstieg in die Anwendung der drei Schlüssel zu VERANTWORTUNG.

Ein Meeting mit einer Runde »Erfolge feiern« zu beginnen, setzt einen wirkungsvollen Auftakt: Jeder teilt einen Erfolg, und die Zuhörer gratulieren dazu mit »Herzlichen Glückwunsch» oder »Toll, das freut mich für dich«.

L – Leugnen

Bevor es so richtig losgeht mit dem bewussten Teil des Responsibility Process in unserem Gehirn, spielt uns unser Unterbewusstsein manchmal einen Streich. Während im bewussten Ablauf ein Problem, ein Ärgernis oder Angst den Responsibility Process in uns triggert, kommt es auch vor, dass unser Unterbewusstsein dies verhindert, indem wir im mentalen Zustand Leugnen hängenbleiben.
Du wirst den mentalen Zustand bei anderen Leuten leichter beobachten können als bei dir. So verhält es sich ja mit allen mentalen Zuständen. Bei dir selbst wirst du es erst im Nachhinein bemerken können, denn bei Bewusstsein ist es vorbei mit dem Leugnen.
Mit dir (oder mit anderen) ist nichts verkehrt, wenn du dich bezüglich mancher Probleme in Leugnen befindest. Zugegeben, Leugnen ist für das Lösen von Problemen kontraproduktiv, weil uns nicht mal bewusst ist, dass wir ein Problem haben. Andererseits ist es wahrscheinlich notwendig und nützlich, weil es uns davor bewahrt, zu viele Probleme und Baustellen gleichzeitig im Bewusstsein zu haben.
Wenn wir wachsen wollen und uns mehr Problemen stellen, dann hilft uns unsere Verantwortungs-Routine, um immer weniger blinde Flecken und Probleme im mentalen Zustand Leugnen zu haben.

 

R – Rechtfertigen

Den mentalen Zustand Beschuldigen erreichen wir, wenn wir bemerken, dass es uns nicht weiterbringt, eine Person als Ursache unseres Problems verantwortlich zu machen. Der nächste Schritt ist, dass wir die Ursachenbeschreibung ausweiten – weg von einem Menschen hin zu den Umständen. Wir erzählen uns (und möglicherweise auch anderen) sehr schlaue Geschichten, die verdeutlichen, warum wir das Problem haben. Denn im mentalen Zustand Rechtfertigen sind, ebenso wie im Beschuldigen, das Opfer. Es müssen sich die Umstände ändern, damit das Problem verschwindet. Zutiefst menschlich, und es stecken durchaus plausible Ursache-Wirkungs-Beziehungen darin. Wenn man jemandem beim Rechtfertigen zuhört, ist das nachvollziehbar, es fällt leicht, dort einzustimmen. In Gemeinschaft können wir das deshalb auch sehr gut. Es hält uns schließlich die Frage vom Leib, was wir damit zu tun haben könnten. Und das lässt uns eben auch in Macht- und Hilflosigkeit bleiben. Sobald wir uns den Geschichten verweigern, die uns machtlos machen, beginnen wir den mentalen Zustand Rechtfertigen zu verlassen.

 

S – Schämen

Wenn wir den mentalen Zustand Rechtfertigen verlassen, landen wir in Schämen. In diesem Übergang ändert sich die mentale Logik: Von „Die Umstände da draußen sind schuld, und erst wenn die sich ändern, verschwindet mein Problem“ wechseln wir zu „Ich bin schuld, ich habe mir das angetan; mit mir ist etwas verkehrt; wenn ich nicht so blöd wäre, hätte ich das Problem nicht“. Leider sind wir in dem Zustand so damit beschäftigt uns doof zu finden, uns schuldig zu fühlen und zu verurteilen, dass wir nicht ins Handeln kommen. Oft ein schmerzhafter und einsamer Zustand, der zusätzlich die Gefahr einer Abwärtsspirale birgt: Wenn mir bewusst wird, dass ich mich in Schämen befinde, schäme ich mich dafür, dass ich mich schäme. Falls der Schmerz zu groß wird, steht uns der optionale Zustand Aufgeben zur Verfügung, um das Problem für einige Zeit zu parken. Spätestens wenn eine Situation uns unser Problem zurück ins Bewusstsein bringt, steigen wir im Prozess wieder bei Schämen ein. Die Aufmerksamkeit für diesen Zustand und der mit ihm verbundene Schmerz kann aber auch die Motivation für die Frage sein: „Was muss ich denn jetzt tun, um einen Schritt weiterzukommen?“ Diese Frage bringt uns in den nächsten mentalen Zustand Verpflichtung.

 

T – The Responsibility Process®

The Responsibility Process® beschreibt, was in unserem Gehirn passiert, wenn wir auf ein Problem treffen. Problem meint hier: Ich habe etwas, das ich nicht will. Oder: Ich will etwas, das ich nicht habe. Es ist ein aus 30 Jahren Feldstudien entstandenes Modell, das vier mentale Zustände (Beschuldigen, Rechtfertigen, Schämen, Verpflichtung) beschreibt, die wir auf dem Weg zu Verantwortung durchlaufen, und zwei (Leugnen, Aufgeben), die nur manchmal durchlaufen werden. Freiheit, Kraft, Kreativität und Optionen stehen uns vor allem im mentalen Zustand Verantwortung zur Verfügung.

Alle diese Zustände sind angeboren und menschlich. Wir können sie in kaum wahrgenommenen Millisekunden durchlaufen oder für ein paar Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre darin steckenbleiben. Das Modell bringt Praktiken mit (Die drei Schlüssel zu Verantwortung), die es uns ermöglichen, eine lebenslange Verantwortungs-Routine zu entwickeln, sodass wir uns schneller in Zuständen unterhalb von Verantwortung erwischen und schneller durch den Prozess zu Verantwortung gelangen können.

Vorläufer dieses Verantwortungsbegriffes finden sich bereits bei Jesus, Buddha und anderen spirituellen Ursprüngen, tauchen bei Sokrates und Aristoteles und anderen Philosophen des Existenzialismus ebenso auf wie in Alfred Adlers Individualpsychologie und den est-Trainings von Werner Erhard. Bei Marshall Thurber (Money & You®) umfasste der Prozess zunächst Rechtfertigen und Beschuldigen, Bill McCarley hat diesen dann zur heutigen Fassung ergänzt. Bills Mentee Christopher Avery ist der „Responsibility Guy“, der das Buch zum Prozess geschrieben hat und das Thema in die Welt trägt.

 

V – Verantwortung

Der mentale Zustand Verantwortung ist weiträumig und offen, wir fühlen uns frei und sind voller Vertrauen – in uns und die Welt. Es ist der Zustand, in dem wir „größer sind als jedes Problem“, in dem wir durchdrungen sind von Zuversicht, auf alles eine Antwort finden zu können. Es ist der Raum, in dem Träume umgesetzt, kreative Ideen entwickelt und neue Gedanken gedacht werden. Verantwortung ist die Inbesitznahme unserer Kraft und Fähigkeit zum Erschaffen, Anziehen und Auswählen der Realität – wir sind Schöpfer unseres Lebens.

Wir alle sind mit diesem mentalen Zustand genauso von Geburt an ausgestattet wie mit allen anderen Zuständen der Nicht-Verantwortung unterhalb der Linie. Um sich mehr oberhalb als unterhalb der Linie aufzuhalten, ist es wertvoll, den mentalen Zustand Verantwortung bei sich zu bemerken und das zu feiern, sodass es immer leichter fällt, dorthin zurückzukehren.

V – Verpflichtung

Verpflichtung als mentaler Zustand ist die letzte Stufe unterhalb der Linie. Darüber liegt der mentale Zustand Verantwortung. Den Zustand Verpflichtung kennen und können viele von uns sehr gut: Dinge tun, weil man muss, weil es von uns erwartet wird, weil es sich so gehört, weil man es hier so macht. Das ist der Zustand, in dem ich etwas tu, obwohl ich es eigentlich nicht will. Das macht es oft so anstrengend, dauerhaft in diesem Zustand unterwegs zu sein. Der Vorteil gegenüber dem Zustand Schämen (direkt unter Verpflichtung) ist, dass wir ins Tun kommen. In Schämen sind wir nur damit beschäftigt, uns doof zu finden. In Verpflichtung bietet uns unser Gehirn immerhin eine Lösung an, nämlich die erstbeste, die uns einfällt – das, was man eben machen muss in unserer Lage. Dieser mentale Zustand ist menschlich, normal, nicht falsch oder schlecht oder verwerflich. Und in ihm haben wir einen eingeschränkten Blick, wenig Energie und Ideen, wir fühlen uns gefangen, unsere Performance ist eher durchschnittlich, aber wir liefern immerhin! Und es fehlt „nur“ noch ein Schritt über die Linie zu Verantwortung.