BESCHULDIGEN



Der mentale Zustand Beschuldigen ist der Einstieg in The Responsibility Process®. Er beschreibt unsere erste Reaktion, wenn wir ein Problem bemerken: Unser Gehirn macht bei der Suche nach der Ursache-Wirkungs-Beziehung zunächst mal eine Person aus, die uns das angetan hat. Wir sind das Opfer von jemanden oder vom Handeln einer anderen Person. Wie immer bei den mentalen Zuständen: zutiefst menschlich, nichts ist verkehrt daran, nichts ist kaputt in uns, wenn wir das tun. Es ist nur ein wenig nützlicher Zustand, um das Problem zu lösen. Denn in diesem Zustand hat die Problemlösung ja gar nichts mit uns zu tun: Der Beschuldigte muss sich ändern, damit das Problem verschwindet. Wie gut sind wir darin, das Verhalten anderer Menschen zu kontrollieren? Das ist oft eher mäßig erfolgreich. Mehr Einfluss können wir auf uns selbst nehmen, aber eben nicht, wenn wir in Beschuldigen stecken, da hier das Problem ja mit uns nichts zu tun hat. Diesen Zustand kann man auch in Gemeinschaft leicht einnehmen: Das Team beschuldigt den Chef, wenn es nicht läuft. Ein gemeinsamer »Feind« hat schließlich etwas verbindendes. Oft ist Menschen das Beschuldigen von jemandem irgendwann unangenehm, und wir stellen fest, dass es uns nicht weiterbringt. Dann beginnen wir, die »Schuld« im Unpersönlichen zu suchen, also in den Umständen – der Übergang zum mentalen Zustand Rechtfertigen.